Goslar präsentierte sein Welterbe - und dazu gehört auch der "Dom"-Platz im Bereich unserer Kirchengemeinde. Es hatte sich vor gut einem Jahr ein Arbeitskreis gebildet: "resurrectio II", der zu einem würdigen Umgang mit diesem Bereich von ehemals europäischer Bedeutung auffordert. Zu dieser Gruppe gehören aus der Marktgemeinde Dierk Landwehr, Helmut Liersch, Imogen Liersch und Dorothee Prüssner; außerdem sind Mitglieder Thomas Moritz und Kuno Kohn.
Nachdem im Rahmen unserer "Amsdorfabende" mehrere Vorträge veranstaltet wurden, gab es nun eine Beteiligung am Welterbetag. Der "Dom"-Platz wurde von Fahrzeugen geräumt, statt dessen wurden die Grundrisse des Ostteiles der Stiftskirche und des Kreuzganges mit Gerüsten und Zelten provisorisch angedeutet. Einige wichtige Gegenstände wie Kaiserstuhl, Sarg des Herzens Heinrich III und Krodoaltar wurden in einfacher Bauweise an den ehemaligen Originalstandorten aufgestellt. Es wurden wissenschaftliche und handwerkliche Präsentationen gezeigt: Geophysik, Mörtelforschung, Archäozoologie, Sandstein-Geologie, Steinmetz. Bier und Speisen nach mittelalterlichen Rezepten wurden gereicht.
Während der etwa halbstündigen Veranstaltung wurden die Glanz- und die Tiefpunkt-Zeiten des Gebäudes in Wort und Bild von Propst Helmut Liersch und Dechant Kuno Kohn dargestellt. Mittelalterliche Klänge und Gesänge umrahmten das Gedenken.
Was will der Arbeitskreis "resurrectio II"? Es geht um "1 Hektar Weltkulturerbe". Der "Dom" war eine der bedeutendsten Kirchen des Heiligen römischen Reiches , Vorbild für Bauten wie Braunschweiger Dom etc. Der Platz hat für die europäische Geschichte herausragende Bedeutung. Die jetzige Gestaltung ist daher unbefriedigend. Kaum eine andere Stadt leistet es sich, auf einem so geschichtsträchtigen Ort Autos abzustellen! Es ist die einzige nicht überbaute Ruine in Goslar, die nicht hervorgehoben ist (anders als Johannes im Bergedorf, Petersberg, Georgenberg, Heiliges Grab).
Der Arbeitskreis sucht Sponsoren für eine ausführliche Dokumentation der Quellen, Freiräumen des Platzes, Ausgrabungen, wissenschaftliche Publikationen, populäre Veröffentlichungen, einen Ideenwettbewerb für die künftige Gestaltung, die Errichtung sichtbarer Strukturen in noch zu entscheidender Form. Eine Vereinsgründung ist geplant.
Helmut Liersch
Unter dem Pflaster des heutigen Parkplatzes "Kaiserpfalz" liegen die Fundamente des "Goslarer Doms". Der Arbeitkreis ruft zu einem würdigen Umgang mit diesem besonderen Ort auf. Dazu gehören:
Der Welterbetag klang mit einer sehr stimmungsvollen Gedenkveranstaltung in der Apsis des "Doms" unter der Leitung von Dechant Kuno Kohn und Propst Helmut Liersch aus. Musikalisch begleitet von einem Bläserquartett und Leitung von Gerald de Vries und dem Goslarer Madrigalkreis lebte Heinrich III und seine Ideen von einem friedlichen Reich wieder auf.
Jugendliche aus der Propstei begleiteten die Worte mit pantomimischen Darstellungen, die zuerst die Hoffnung Heinrich III auf Frieden (1050) mit der Ausbreitung eines Kreuzes weckten, dann aber in Mord und Zerstörung versanken. (Blutpfingsten (1062) - Näheres siehe unten im übernächsten Artikel).
Zum Schluß wurde dem Goslarer Oberbürgermeister vom Arbeitskreis Resurrectio II in Person von Imogen Liersch ein Riesenstrauß dunkelroter Rosen überreicht, die anschließend zur Freude aller an Mitwirkende und Zuschauer verteilt wurden.
Hartmut Hädrich

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Die unten gezeigten Szenen stammen nicht etwa von einer Probe für einen Wildwest- oder Mantel- und Degenfilm, sondern es ist eine pantomimische Einstudierung einer Präsentation des Krodoaltars mit lebenden Altarstützen (Propst Liersch, Imogen Liersch, Dierk Landwehr und Kuno Kohn) mit der Regisseurin Frau Dr. Heidi Roch anläßlich der Eröffung des Welterbetages. Der alte Kaiser Heinrich III hätte sicher seinen Spaß gehabt.
Hartmut Hädrich
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Um den Goslarer "Dom" geht es beim nächsten Amsdorfabend, der von der Marktgemeinde und dem neu gegründeten Arbeitskreis "Resurrectio (II) - Stiftskirche St. Simon und Judas und ihr näheres Umfeld" veranstaltet wird. Der renommierte Wissenschaftler Prof. Dr. Cord Meckseper aus Hannover (em. Lehrstuhlinhaber für Architektur und Kunstgeschichte) wird zu dem Thema sprechen: "Vom vorsichtigen Umgang mit einem besonderen Ort - Der Goslarer īDom` und sein näheres Umfeld".
Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, 10. Mai um 19.30 Uhr im Großen Saal des Amsdorfhauses in der Dorothea-Borchers-Straße. Der Eintritt ist frei. Der Vortrag ist als Auftakt für eine breite Beschäftigung mit der jetzigen Situation des Geländes - geprägt von Parkplatz und Kaserne aus den 70er-Jahren - und mit seiner Zukunft gedacht. Ergänzend wird Friedrich Balck die virtuelle Rekonstruktion des Goslarer "Doms" vorführen.
Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sollen zur Mitarbeit aufgerufen werden. An dem Abend werden konkrete Überlegungen für zukünftige Aktivitäten bekannt gegeben.
Für nähere Informationen steht Propst Helmut Liersch gern zur Verfügung.
Als Text für eine umfassendere vorausgehende Berichterstattung folgen hier die Grundsatzüberlegungen des Arbeitskreises (verfasst von Thomas Moritz):
RESURRECTIO (II)
Arbeitskreis Stiftskirche St. Simon und Judas und ihr näheres Umfeld
Zur Ehre Gottes gebaut
Zum Ruhme Gottes gedient
Glanz der Krone genannt
Aus Habsucht geplündert
Aus Armut niedergerissen
(Karl Heinz Leidreider, 1976)
I. Die Geschichte
Der Bereich der ehemaligen Stiftskirche St. Simon und Judas, in Goslar "der Dom" genannt, hat in seiner fast tausendjährigen Geschichte viele Veränderungen erfahren. Auf einem wahrscheinlich älteren Siedlungsgrund wurde hier zwischen 1040 und 1050 unter Kaiser Heinrich III. eine gewaltige Kirche mit Kreuzgang und vielen Nebengebäuden errichtet - der geistliche Gegenpol zum Wahrzeichen der weltlichen Macht, dem Kaiserhaus auf dem gegenüberliegenden Liebfrauenberg.
Die Stiftskirche ist ein authentischer Ort von höchstem Rang, die historischen Dimensionen seiner Geschichte beinhalten
- die Weihen durch den Erzbischof Hermann von Köln 1050 und Papst Victor II. 1056
- die Aufnahme des Herzens und der "edlen Eingeweide" Kaiser Heinrichs III. nach dessen überraschendem Tod 1056
- "Blutpfingsten" 1062, bei dem der junge Heinrich IV. knapp dem Tod entkam
- die Krönung des Gegenkönigs Hermann von Salm 1077 und
- viele Festgottesdienste unter Anteilnahme der Größen des damaligen Heiligen Römischen Reiches
Das Stift wurde die "Pflanzstätte des Reichsepiskopates" genannt - über 30 Bischöfe kamen aus den Reihen der Stiftsherren!
Nach der großen Kaiserzeit Goslars vom 11. bis zum 13. Jh. kamen harte Zeiten auf das Stift und seine Baulichkeiten zu. Zwar konnte der immense Reichtum aus der Zeit der Gründung gehalten und in der Gotik Vergrößerungen an der Kirche selbst und auch Neubauten im Stiftsareal durchgeführt werden. Doch kam es vom 16. Jh. an - vor allem auch durch die Reformation - zum starken Niedergang des weitläufigen Gebäudekomplexes. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche Ziel großer Plünderungen.
Was dem Stift noch an Wertvollem verblieben war, wurde nach dem Verlust der kaiserlichen Reichsfreiheit in den Jahren nach 1802 versteigert, 1819 das Gotteshaus selbst an einen Goslarer Maurermeister auf Abbruch verkauft und bis 1822 völlig abgerissen. Einzig die Vorhalle der Kirche blieb stehen und wurde 1824 zur Aufbewahrung der noch verbliebenen Gegenstände eingerichtet.
Vor dem Abriss wurde glücklicherweise durch den Baumeister Mühlenpfordt ein sehr genaues Aufmaß der Stiftskirche angefertigt. Auch Aussehen und Aufbau des Innenraumes sind durch zahlreiche Zeichnungen und Stiche gut dokumentiert.
So war es vor einigen Jahren unter Verwendung neuer Computertechnologie möglich, eine Animation der Stiftskirche zu erstellen und damit das Gebäude von innen und außen virtuell zu "begehen". Die verbliebenen wenigen, aber äußerst wertvollen Einrichtungsgegenstände wie der "Goldene Altar", die Grabplatte und die Herzkapsel Heinrichs III. sowie der "Kaiserstuhl" mit seiner Umschrankung aus Sandsteinplatten konnten ebenfalls genau verortet werden. Auf dem Bildschirm gelingt es jedoch nur eingeschränkt, einstige Größe und Raumwirkung der Baulichkeiten nachzuvollziehen.
II. Die Aufgabe
Nach dem Abriss der Baulichkeiten des Stiftbezirks wurde auf dem ehemaligen Stiftsgelände zuerst die Domkaserne der Goslarer Jäger errichtet und nach Abbruch in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren die heute dort befindliche "Kramer-Möllenberg-Kaserne" des Bundesgrenzschutz gebaut.
Bei den damaligen umfangreichen Erdarbeiten sind in geringem Umfang auch bauvorbereitende und baubegleitende archäologische Untersuchungen durchgeführt worden. Allerdings steht eine wissenschaftlich fundierte Ausarbeitung der Ergebnisse dieser Untersuchungen noch aus. Möglicherweise stehen in der näheren Zukunft wiederum umfangreiche Bautätigkeiten an. Nach Einsicht der Grabungsakten wäre es auf jeden Fall ratsam, möglichst im gesamten Bereich des heutigen Parkplatzes und in den verbliebenen Zwischenräumen der Kasernenbauten Neugrabungen durchzuführen.
Dabei ist auf technisch und wissenschaftlich hohes Niveau genauso zu achten wie auf die fachübergreifende / interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedenster natur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsbereiche.
Der Arbeitskreis RESURRECTIO (II) soll dabei als Schaltstelle, Multiplikator und Sprachrohr dieser Aktivitäten dienen. Dabei geht es auch um die richtige "Vermarktung".
III. Die Vision
(wird am 10. Mai 2006 beim Amsdorfabend mitgeteilt)
