Wort zum Sonntag am 14.03.10

So Gott will und wir leben!

So Gott will und wir leben! Dieser Satz geht mir manchmal durch den Kopf, wenn ich meinen Kalender Termine eintrage. "So Gott will und wir leben" ist die geheime Überschrift meines Planens. Ich organisiere und muss gleichzeitig damit rechnen, dass alles auch ganz anders kommen könnte. Es ist nicht sicher, dass wir in unserer Familie die goldene Hochzeit im Herbst werden feiern können. Ob ich am 50. Geburtstag meiner Freundin im Juli teilnehmen kann, steht noch dahin.

In einer Ballade hat Bertolt Brecht das menschliche Planen so beschrieben: "Ja, mach nur einen Plan. Sei nur ein großes Licht und mach dann noch 'nen zweiten Plan geh'n tun sie beide nicht." So ist es oft. Ich plane, und bald schon sind meine Pläne durchkreuzt. Das kann sehr schmerzlich sein. Ein unerwarteter Tod eines Menschen in meinem näheren Umfeld hat mich gelehrt, dass das Leben in einem Augenblick zu Ende sein kann. Die jüngsten Bilder aus Chile führen vor Augen, dass eine unerwartete Katastrophe das Leben vieler Menschen schlagartig zerstören kann. Wer plant, sollte wissen, dass er sein Leben letztlich nicht im Griff hat. Das Leben ist kostbar und brüchig zugleich.

Der Satz: "So Gott will und wir leben." stammt aus der Bibel. Weil er dem Jakobusbrief entnommen ist, wird er auch der Vorbehalt des Jakobus genannt. Dieser Vorbehalt ist keine Drohung und auch keine fromme Floskel, sondern eine realistische Sicht des menschlichen Lebens. Er erinnert daran, dass wir nicht die Schöpfer unseres Lebens sind. Das Leben ist uns vielmehr geschenkt. Und auch das Ende des Lebens haben wir nicht im Griff. Gott schenkt uns das Leben und dann nimmt er es wieder. Warum das so ist, das ist ein großes Rätsel. Seinen Jüngern sagt Jesus kurz vor seinem Tod: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." Wer dieser Zusage vertraut, wird in seinem Planen bedenken, dass ein Anderer sein Planen begleitet. Zugleich wird er ertragen, dass die eigenen Pläne nicht funktionieren. Manchmal ist das schmerzhaft, manchmal gibt es dabei auch Grund zum Lachen. So Gott will und wir leben.

Karin Liebl, Pfarrerin der Marktgemeinde.



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