Die Hilfe begeistert. Angesichts der Katastrophe in Haiti ist es wie ein Silberstreif am Himmel, dass so viele Menschen bereit sind zu helfen. Die ZDF-Spendengala am vergangenen Dienstag erbrachte mehr als 20 Millionen Euro. Was für eine Riesensumme, was für ein Zeichen! Offenbar ist die Menschheit bereit zusammenzurücken und in der Not füreinander da zu sein. Es wurde nicht nach dem Staat gerufen, sondern Firmen, Vereine und Privatpersonen öffneten ihre Brieftasche. Es wurde nicht lange debattiert, wer denn nun eigentlich zuständig ist, sondern es wurde großzügig gegeben. Das lässt hoffen.
In unserer kleinen Welt in Goslar erleben wir schon und ahnen wir zunehmend, wie es sein könnte, wenn eine Kommune immer weniger Geld zur Verfügung hat. Das schmeckt in vielen Bereichen bitter. Angst kommt auf, dass wir uns einiges, was uns lieb und teuer ist, nicht mehr werden leisten können.
Da ist es sicherlich gut, wenn wir uns an Werte erinnern, die uns durch rauere Zeiten hindurch tragen. Roman Herzog hat einmal gesagt: "Kultur und Zivilisation sind niemals ein für allemal fester Besitz. Sie müssen von jedem einzelnen, von jeder Generation immer wieder aufs neue errungen werden."
Ich wünsche mir auch in unserer Stadt, dass wir Bürgerinnen und Bürgen weniger danach rufen, was alles gemacht werden müsste, dass wir nicht jammern und fordern und nach Schuldigen suchen. Ich wünsche mir vielmehr, dass wir da, wo wir Missstände sehen, an der Seite unserer Ratsleute helfen kreative Lösungen zu finden und da, wo es sein muss, den Bediensteten unserer Stadt unter die Arme greifen.
Beim Propheten Micha heißt es: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, und Liebe üben und demütig ein vor deinem Gott."
Gottes Wort zu halten, das ist schwer. Daran werden wir immer wieder scheitern. Aber Liebe zu üben, damit können wir heute anfangen. Und auch etwas mehr Demut stünde uns gut zu Gesicht.
Karin Liebl, Pfarrerin der Marktgemeinde.
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