Auf besinnliche - philosophische - theologische und nicht zu vergessen auf musikalische Art wurde am Sonntagabend Abschied von der Schuke-Orgel genommen. Das für diese Anlässe prädestinierte Team aus Imogen Liersch und Dierck Landwehr (Lesung), Ralph Beims (Gesang) und Gerald de Vries (Orgel) , verstärkt durch Propst Helmut Liersch als Rezitator, gestalteten einen wundervollen Abend, den die Zuhörer sicherlich nicht so schnell vergessen werden. Die Themen Klang und Hören wurde in einem weiten Bogen behandelt.
Beginnend mit dem Kind im Mutterleib, welches den Klang der Mutter schon erkennt und ihn sein Leben lang verinnerlicht, über die Aufrufe zu Hören im Buddhismus, dem Koran und der Bibel bis hin zu Luther und Goethe wurde das Thema analysiert und dem Zu"hörer" näher gebracht.
So sprach Jesus: "wer Ohren hat zu hören, der höre" (Markus 4,9, Mt 11,15.) Im Buch Mose ist 91 mal vom "Hören" die Rede. "Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme" finden wir in Johannes 18, 37. Von Luther stammen die Zeilen ".. und warten bis der betende Gott hört". "Wer Ohren hat zu hören, der sieht Hören und Sehen als Einheit" stammt von Goethe.
Eindrucksvoll war eine Meditation von Dierck Landwehr als Leser, gleichzeitig begleitet von Gerald de Vries mit einer Fuge an der Orgel, bei der sich Text und Musik mischten. Verbunden mit der Ewigkeit - schwingt durch uns. Von Imogen Liersch hörten wir, dass auch taube Menschen hören, weil sie den Klang mit dem Körper spüren.
Die Musik ersteckte sich von Orgel- und Gesangsstücken von Bach, Mahler, Schubert, Schumann und Brahms, die von Gerald de Vries und Ralph Beims wieder einmal eindrucksvoll dargeboten wurden.
Als Kontrapunkt gab es ein noch Stück vom Gettoblaster (Cassettenrecorder) gesungen von Herbert Grönemeier "Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist" (das Kirchenpublikum an dieser Stelle etwas ratlos.. - aber es gibt auch andere Klänge, die viel und gerne gehört werden.).
Propst Helmut Liersch trug am Schluss einen versöhnlichen Text "So strömt der Orgel Klang…", der sehr gut zum Abschied von der Orgel passte.
Ein stimmungsvoller Abschied, bei dem sicherlich einigen Zuhörern wehmütig ums Herz wurde. So verklangen es dann mit dem gemeinsam gesungenen Choral "Großer Gott, wir loben Dich" - die endgültig letzen Klänge der Schuke-Orgel.
Hartmut Hädrich