Es gibt vier Bereiche, die bei der Neugestaltung der Marktkirchenorgel durch die Firma Freiburger Orgelbau, Hartwig und Tilmann Späth, bedacht werden sollen: Erstens eine Generalreinigung, zweitens eine technische Überarbeitung, drittens eine Verbesserung und Erweiterung der klanglichen Möglichkeiten der Orgel sowie viertens die Gestaltung eines neuen Prospektes mit Freilegung der gotischen Fensterrosette.
Das Ziel ist es, die Orgel sowohl technisch als auch klanglich für die nächsten Jahrzehnte bzw. die nächste Organistengeneration "fit" zu machen. Die Marktgemeinde ist daran interessiert, die Qualität dieses Instrumentes über die Zeiten zu halten, gerade auch wenn es dabei um Anpassung an sich verändernde Klangvorstellungen geht. Die Renovierung in technischer und klanglicher Hinsicht bedeutet, neben der Werterhaltung und Funktionssicherheit, durch die geplante Erweiterung der Orgel auch eine vorzügliche Wertsteigerung des Instrumentes.
1. Generalreinigung
Bei der Generalreinigung wird das gesamte Pfeifenwerk abgetragen und das Innere der Orgel gründlich von Staub und Schmutz befreit. Der vorhandene Schimmelpilz wird abgewaschen und die Holzflächen werden als Schutzmaßnahme mit Borsalzlösung eingestrichen. Bleizucker an den Zungenköpfen der Zungenpfeifen wird ebenfalls entfernt. Das Orgelgehäuse wird von innen und außen gesäubert. Außerdem werden weitere vorbeugende Maßnahmen getroffen.
2. Technische Überarbeitung
Es wird in Kombination mit dem Einbau neuer Registerschalter eine moderne Setzeranlage mit ca. 8000 Setzerkombinationen und USB-Speichermöglichkeit eingebaut. Dadurch werden die Registriermöglichkeiten wesentlich verbessert: Im Gottesdienst und im konzertanten Spiel können schnelle und zahlreiche Registerwechsel zur differenzierten musikalischen Darstellung vollführt werden.
3. Verbesserung und Erweiterung der klanglichen Möglichkeiten
a) Die neobarocke Intonation soll ausbalanciert werden: Die übertriebenen Schärfen werden gemildert und die zu schwach ausgeprägte Grundtönigkeit wird gestärkt. Außerdem wird eine geringfügige Dispositionsänderung in den bestehenden Werken vorgenomme, so dass die klanglichen Möglichkeiten dadurch wesentlich verbessert werden.
b) Die Klangfarben und dynamischen Möglichkeiten werden instrumenten-gerecht erweitert: Dazu wird ein zusätzliches Schwellwerk mit romantisch disponierten und intonierten Registern eingebaut, welches elektrisch von allen Manualen aus gespielt werden kann. Für dieses zusätzliche Werk mit 14 Registern ist an nicht einsehbarer Stelle hinter dem Oberwerk und dem Hauptwerk ausreichend Platz vorhanden. Durch diese Erweiterung wird es möglich, die gesamte Orgelliteratur stilgerechter und klanggetreuer darstellen zu können und damit den Anforderungen und Erwartungen der heutigen Kirchenmusik- und Konzertpraxis an ein Instrument dieser Größe zu entsprechen.
4. Neugestaltung des Prospektes mit Freilegung der Fensterrosette
Der Prospekt wird so umgebaut, dass die Orgel nicht länger den Blick auf die gotische Fensterrosette in der Westfront der Marktkirche verdeckt. Die bisher nur notdürftig verglaste Rosette wird zusammen mit den vier darunter liegenden kleinen Fenstern im Rahmen des Orgelprojektes durch Prof. Johannes Schreiter künstlerisch gestaltet. Die neuen Fenster zum Thema "Lob Gottes" werden zu Pfingsten 2011 eingeweiht. Die Neugestaltung des Orgelprospektes wurde von der Orgelbaufirma Späth in Zusammenarbeit mit den Architekten Uwe Kleineberg und Axel Pohl entwickelt. Sie weist eine klare und eindeutige Form auf, vor der die Prospektpfeifen jedoch unregelmäßig, beinahe chaotisch platziert sind. Sieben Pfeifen ragen gar über die Form hinaus, einige Pfeifen stechen durch goldene Labien hervor. Dadurch entsteht eine optische Tiefe von Form und Unordnung, die an die Spannung von Chaos und Schöpfung erinnert und diesen theologischen Gedanken mit der Musik verbindet.
|
Pedal Untersatz 32' Prinzipal 16' Subbass 16' Oktave 8' Gedackt 8' Oktave 4' Pommer 4' Nachthorn 2' Mixtur V 2' Posaune 16' Trompete 8' Schalmei 4' |
Brustwerk Holzgedackt 8' Blockflöte 4' Prinzipal 2' Sifflöte 1' Terzian II 1 3/5', 1 1/3' Zymbel III 1/2' Krummhorn 8' Tremulant |
||||||||||||||
|
Hauptwerk Prinzipal 16' Bordun 16' Oktave 8' Konzertflöte 8' Violoncello 8' Koppelflöte 8' Oktave 4' Gemshorn 4' Nasat 2 2/3' Oktave 2' Cornett III-V 8' Mixtur V-VI 1 1/3' Trompete 16' Trompete 8' |
Schwellwerk (Auxiliare) Geigenprinzipal 8' Traversflöte 8' Nachthorn 8' Gambe 8' Vox coelestis ab cº 8' Fugara 4' Flöte 4' Nazard 2 2/3' Schweizerpfeife 2' Terz 1 3/5' Mixtur III-IV 2 2/3' Trompette harmonique 8' Oboe 8' Clarine 4' Tremulant Zimbelstern |
||||||||||||||
|
Oberwerk Salicional 8' Gedackt 8' Prinzipal 4' Rohrflöte 4' Oktave 2' Waldflöte 2' Quinte 1 1/3' Sesquialtera II 1 3/5', 2 2/3' Scharf IV 1' Rankett 16' Trichterregal 8' Tremulant |
|