Ein Lied, das man in der Passionszeit häufiger hört. Es wurde von einem der bekanntesten Liedtexter geschrieben: von Paul Gerhardt.
In diesem Jahr wird der 400. Geburtstag von Paul Gerhardt gefeiert. Er wurde am 12. März 1607 in Gräfenhainichen im Kurfürstentum Sachsen als zweiter Sohn einer Gastwirtsfamilie geboren. Er starb am 27. Mai 1676 in Lübben im Spreewald. Nach Martin Luther gilt er als der bekannteste und bedeutendste deutschsprachige Lyriker und Dichter.
Paul Gerhardt studierte in Wittenberg Theologie und Philosophie und war zunächst Hauslehrer in verschiedenen Familien, ehe er 1651 Pfarrer und Propst in Mittenwalde wurde. Schon zu dieser Zeit hatte er deutschsprachige Gedichte geschrieben, die von Johann Crüger vertont wurden. In Mittenwalde lernte er seine spätere Frau Anna Maria Berthold kennen. Sie heirateten 1655. Ihnen wurden vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne, geboren, von denen jedoch nur ein Sohn überlebte. Seine Frau starb 1668.
Paul Gerhardt lebte in einer Zeit, die vor allem durch Krieg, Zerstörung, Krankheiten und Tod geprägt war. Der Dreißigjährige Krieg hat auch in Gerhardts Heimatdorf tiefe Spuren hinterlassen. Sein Vater und seine Mutter starben sehr früh, so dass er sich sein Studiengeld als Hauslehrer verdienen musste. Zu der Zeit grassierte immer noch die Pest und raffte viele Menschen dahin. So auch seinen einzigen noch lebenden Bruder. Aber Paul Gerhardt ließ sich nicht unterkriegen. Er schrieb Gedichte, die den Menschen Mut machen, ihnen Freude und Zuversicht geben sollten. So entstanden im Laufe seines Lebens 139 Liedtexte in deutscher Sprache und 15 in Latein. Bis heute sind im Gesangbuch noch 26 Lieder zu finden.
Paul Gerhardt war ein gradliniger und stets den lutherischen Lehren verbundener Mensch. So kam es mit dem damaligen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Kurfürst hatte ein sogenanntes "Kirchenedikt" erlassen, in dem die calvinistische Religionsauffassung des Fürsten als Grundlage festgelegt wurde. Die Pfarrer sollten sich durch ihre Unterschrift auf dieses Edikt verpflichten. Neben anderen Pfarrern verweigerte auch Gerhardt die Unterschrift und wurde daraufhin 1666 seines Amtes enthoben. Nach einer Zeit ohne Einkommen wurde er dann 1668 nach Lübben berufen. Dort lebte er bis zu seinem Tode und wurde in der dortigen Kirche beigesetzt.
Die Gedichte Paul Gerhardts sind in einer Sprache geschrieben, die auch heutigen Menschen zugänglich ist. So hat Günter Grass ihm in seinem Werk "Treffen in Telgte" ein literarisches Denkmal gesetzt. Wenn man das Gesangbuch durchsieht und sich ein Lied aus der Feder Paul Gerhardts vorliest, spürt man die Kraft, den starken Glauben und das stets positive Denken seiner Gedichte. Er wollte in den schwärzesten Zeiten der damaligen Zeit den Menschen Zuversicht und Hoffnung schenken. So entstanden auch Lieder wie "Die güldene Sonne ..." und "Geh aus mein Herz ..." oder "Nun danket all und bringet Ehr...". Seine Gedichte wurden von bekannten Musikern vertont, so auch von Johann Sebastian Bach, der "Ich steh an deiner Krippen hier" schuf.
Den Namen Paul Gerhardt findet man in vielen Gemeinden. Er ist Namensgeber nicht nur für Kirchen, sondern auch für Schulen, Kindergärten, Seniorenheime und Stifte. Die Paul Gerhardt Gesellschaft in Berlin widmet sich besonders seinem Lebenswerk.
Das Paul Gerhardt Jahr 2007 wird auch in Goslar gefeiert. Am 11. März fand in der Marktkirche um 9.45 Uhr ein Gottesdienst ihm zu Ehren statt. Dieser wurde live im Rundfunk auf NDR Info und WDR 5 übertragen.
Antje Krüger