Seit rund einem Jahr sind die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Goslars in einem gemeinsamen Gesprächsprozess dabei, überzeugende, tragfähige und nachhaltige Perspektiven für das zukünftige Kirche-Sein in unserer Stadt zu entwickeln. Im letzten Gemeindebrief haben wir darüber einen Zwischenbericht gegeben. Nun liegen die Ergebnisse und Empfehlungen vor, die ausgehend vom Zukunftsgipfel im Oktober 2009 in sechs Arbeitsgruppen im Frühjahr 2010 erarbeitet wurden. Diese Resultate wurden am 2. Juni 2010 in einer Vollversammlung aller Beteiligten der Goslarer Öffentlichkeit präsentiert.
Den Organisations-Entwicklungsprozess haben die Kirchengemeinden - Oker, St. Georg, St. Kilian Hahndorf, St. Peter, Neuwerk, St. Cosmas und Damian zum Markte, St. Johannes, St. Peter und Paul auf dem Frankenberge und St. Stephani zwischen August 2009 und Juni 2010 - durch die Kirchenleitung gefördert - unternommen. Neben zahlreichen anderen wichtigen Ergebnissen besteht ein wesentlicher Erfolg des Prozesses darin, dass die vakanten Pfarrstellen in St. Johannes (Ohlhof) und St. Peter (Sudmerberg) in Zusammenarbeit mit St. Stephani und St. Georg sowie Oker in Kooperation mit Frankenberg ohne Vakanzzeiten besetzt werden können, wenn die im Prozess entwickelten rechtlichen und personellen Lösungswege bei den beteiligten Kirchenvorständen auf positive Resonanz stoßen.
Die detaillierten Ergebnisse sind von der prozessbegleitenden Steuerungsgruppe in einer knapp 40-seitigen Dokumentation übersichtlich und informativ zusammengestellt worden. Die öffentliche Präsentation in der Marktkirche markierte den Schlusspunkt der Arbeit der Steuerungsgruppe, die den Prozess strukturiert und die Ergebnisse zusammengestellt hat, begleitet von Moderator Herrn P.i.R. Erich Marahrens und Moderatorin Frau Diakonin Claudia Gerke.
Nun gehen Initiative und Verantwortung wieder an die Projektgruppe über: Pfarrer Andreas Jensen überreichte als Verantwortlicher der Steuerungsgruppe Propst Helmut Liersch als Verantwortlichem der Projektgruppe die Dokumentation mit den Ergebnissen des Prozesses und damit symbolisch und faktisch die Verantwortung für die im August/September 2010 beginnende Phase der Umsetzung der Empfehlungen in die kirchliche Praxis. Die Projektgruppe besteht aus den Vorsitzenden der Kirchenvorstände der neun am Moderierten Prozess beteiligten Kirchengemeinden und den in diesen tätigen Ordinierten.
In der Zwischenphase werden die neun Kirchenvorstände bis Ende August 2010 die Prozess-Ergebnisse beraten, bewerten und ihre Rückmeldungen an die die Projektgruppe geben, konkret an Propst Liersch als verantwortlichem Ansprechpartner der Projektgruppe.
In seiner Begrüßung zu Beginn der Vollversammlung stellte Propst Helmut Liersch fest, dass es eine Grundentscheidung in Goslar gewesen sei, diesen Verständigungs- und Meinungsbildungsprozess gemeinsam zu gehen, die Wahrheit gemeinsam zu finden, in konziliarer Kommunikation. "Damit reagieren wir", so der Propst, "auf die biblische Botschaft, die besagt, dass der Geist auf alle ausgegossen ist". Also seien wir aufgefordert, Gaben und Charismen bei allen Menschen zu vermuten.
Der Weg hin zu den präsentierten Vorschlägen für eine "zukünftige Kirche in Goslar" war nur möglich mit dem Engagement vieler unterschiedlicher Christinnen und Christen, die sich trotz oder wegen eines ursprünglich von außen kommenden Veränderungsdruckes auf den Prozess einließen und den Prozess zu "ihrem" machten. Es seien "Träumer", Modellentwickler" und "Bedenkenträger" am Werk gewesen, die sich und "der Sache Jesu" ihre Zeit gönnten, Kirche in Goslar in die Zukunft hinein zu gestalten. Das sei nicht selbstverständlich und verdiene großen Respekt, so das Moderationsduo in ihrem Schlusswort nach der Präsentation.
Auch Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar zeigte sich sehr beeindruckt von dem Goslarer Kirchenprozess und seinen Resultaten und würdigte das Konzept als "zukunftsfähig" und beispielgebend für die Landeskirche Braunschweig.
Die beteiligten Christinnen und Christen aus den neun evangelischen Kirchengemeinden in Goslar haben sich in den Monaten des Moderierten Prozesses kennen und in ihrer jeweiligen Besonderheit als Individuen und Kirchengemeinden schätzen gelernt, eine der entscheidenden Voraussetzungen für eine fruchtbare und effektive Zusammenarbeit in Goslar.
Möge unser Beraten, Ringen, Entscheiden und Realisieren an der Gnade teilhaben, "deren Früchte neue Begeisterung und wirklichkeitsgerechte Formen der Weggemeinschaft im Namen Jesu sind", so Pfarrer Jensen im Vorspann der vorliegenden Prozess-Dokumention
.Dierk Landwehr
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Zum Zukunftsgipfel am 23./24.Oktober
2009 trafen sich an zwei Tagen
rund 70 Menschen aus den evangelischen
Goslarer Kirchengemeinden
motiviert, intensiv und optimistisch
in Ohlhof - zu einem Arbeitsprozess,
moderiert von einem erfahrenen
Leitungsteam aus der Landeskirche
Hannover. Fragestellung: „Wie können
wir uns über zukunftsfähige und
nachhaltige Kooperationsstrukturen
und den Umgang mit Ressourcen
allgemein (u. a. Personal und Gebäude)
verständigen und damit das
Profil – „Kirche für die Stadt Goslar“
– weiter entwickeln.
Jetzt befinden sich die Goslarer Gemeinden gemeinsam auf dem Weg in die Zukunft.
Es geht darum, neue Wege zu finden, da sowohl die Anteile der Pfarrstellen reduziert werden sollen als auch weniger Finanzmittel für die Pflege und Erhaltung von Kirchen und Gemeindehäusern zur Verfügung stehen.
Die Anzahl der Gemeindeglieder sinkt in allen Gemeinden und damit kurz- und mittelfristig auch die finanziellen Mittel aus den Kirchensteuereinnahmen für das Personal und die Gebäude der Gemeinden. Um mit weniger Mitteln und Mitarbeiter/ Innen-Stunden die anstehenden Aufgaben erfüllen zu können, werden neue Formen einer noch stärkeren Zusammenarbeit zwischen den Goslarer Kirchengemeinden notwendig. Dazu gibt es Rahmendaten aus der Landeskirche Braunschweig, die von einem deutlich geringeren Budget für Personal und Gebäude der Gemeinden in den nächsten Jahren ausgehen.
Um sinnvolle und nachhaltige Antworten auf die veränderten Rahmenbedingungen geben zu können, ist der Moderierte Prozess „Kirche für die Stadt Goslar“ ins Leben gerufen worden. Möglichst viele Menschen aus den beteiligten Gemeinden und Goslar werden einbezogen, damit die Zukunftsfragen nicht allein von der Kirchenleitung sondern „auf Augenhöhe“ in einem möglichst demokratischen Gesprächs- und Arbeitsprozess thematisiert, diskutiert und beantwortet werden können. Das ist nicht immer leicht, weil so viele Menschen natürlich unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen haben, hat aber den nachhaltigen Vorteil, dass solche Klärungsprozesse die vielfältigen Erfahrungen, Ideen und Visionen der Christinnen und Christen in Goslar berücksichtigen und die Entscheidungen von zahlreichen Menschen getragen werden.
Im Gespräch ist eine Art „Pfarrverband/ Quartier Goslar“, ein „Verbund“ der Goslarer Kirchengemeinden bei gleichzeitigem Erhalt ihrer Selbstständigkeit mit ihren spezifischen Leitbildern und Gemeinde- Profilen: jede Gemeinde mit ihren Besonderheiten, verbunden in einem kooperativen Netz effektiver, transparenter und zukunftsorientierter Zusammenarbeit der Kirchengemeinden. Ob sich dieses Netz dann „Pfarrverband Goslar“ oder „Quartier Goslar“ oder ganz anders nennt und wie dann die rechtlichen Strukturen dieses „Netzwerkes“ aussehen werden, wird sich im weiteren Prozess- Verlauf zeigen.
Der Zukunftsgipfel Ende Oktober in Ohlhof hat atmosphärisch und inhaltlich deutliche Aufbruchssignale gesetzt und ein reichhaltiges Angebot an Ideen und Übereinstimmungen gebracht. Wer dabei war, hat gespürt, dass es ein Wir-Gefühl der „Kirchein- Goslar“ gibt, ein Bedürfnis und eine Bereitschaft zu stärkerer Vernetzung bei gleichzeitiger Erhaltung, Vertiefung und Wertschätzung der tragenden Rolle und Bedeutung der einzelnen Kirchengemeinden. „Wir in-Markt“, in St. Cosmas und Damian sind ein wichtiges Element mit einem ganz besonderen Gemeindeprofil und dasgleiche gilt auch für die anderen Kirchengemeinden in Goslar mit ihren besonderen Merkmalen: jedes Gemeindeglied ist in ihrer/ seiner „Heimat“-Gemeinde als Teil der „Kirche in Goslar“ unterwegs im Namen und in der Nachfolge Jesu. Nach der Meilensteinsitzung mit allen Kirchenvorständen der beteiligten Gemeinden Anfang Februar in St. Stephani beginnt Ende Februar/ Anfang März die Arbeit in den sechs Fach-Arbeitsgruppen mit folgenden Themen:
Diese Fachgruppen tagen seit März ca. drei Mal. Ausgehend von den Ergebnissen des Zukunftsgipfels sollen Zukunftsaussagen, Ziele und konkrete Maßnahmen formuliert werden, um die anstehenden Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Alle sechs Fachgruppen präsentieren ihre Antworten auf der Meilensteinsitzung am 26. April 2010 in St. Johannes/Ohlhof. Aus dieser Meilensteinsitzung soll dann das Gesamtergebnis des Moderierten Prozesses „Kirche für die Stadt Goslar“ hervorgehen, das dann am 2. Juni 2010 in einer „Vollversammlung“, bestehend aus allen Kirchenvorständen, ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Goslarer Kirchengemeinden, Vertreter/ Innen der Kirchenleitung und einer interessierten Öffentlichkeit, in der Marktkirche vorgestellt wird, so der Zeitplan.
Anschließend werden die einzelnen Kirchenvorstände der beteiligten Gemeinden und ggf. andere zuständige Gremien ihre Voten zu diesen Prozess-Ergebnissen abgeben. Diese Voten können dann in eine abschließende Veranstaltung des Moderierten Prozesses „Kirche für die Stadt Goslar“ im August/September 2010 eingehen und die Umsetzung in die kirchliche Praxis einläuten.
Möge dieser gemeinsame Weg mit Gottes Hilfe für alle Menschen spürbar gelingen und seine Wirkung wohltuend und nachhaltig zeigen.
Dierk Landwehr

Die Goslarer Gemeinden denken seit einiger Zeit über Reformen Ihrer Kirche vor Ort nach. In einen langfristig angelegten Prozeß über mehrere Stufen sollen Zusammenarbeit, Strukturen und Kommunikation verbessert werden. Näheres beschreibt der u.a. Zeitungsartikel aus der Goslarschen Zeitung.

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